|
|
Montag,
4.6.2007
Die diesjährige Reise in meinen Lieblingsstaat Utah begann mit dem schönsten
Flug in die USA, den ich jemals gemacht habe. Zum einen war die Reisezeit
dank einer neuen nonstop-Verbindung von Düsseldorf nach Las Vegas (mit
der LTU) auf nur 10 1/2 Stunden geschrumpft, zum anderen waren zu meiner
großen Verblüffung viele Plätze nicht belegt, so daß man sich nach
Herzenslust breit machen konnte (die zusätzlichen Groschen für einen
XXL-Sitz am Notausgang wären somit gar nicht nötig gewesen, aber da der
Sitz neben mir frei blieb, hatte ich es wahrhaft fürstlich bequem), und
schließlich war die Sicht den ganzen Flug über einmalig klar. In selten
geschauter Schönheit zogen die Schneelandschaften von Grönland und
Labrador (?) unter mir vorbei, selbst die zerklüfteten Fjordlandschaften
der Küsten, das Packeis und fantastisch geformte Eisberge konnte man
deutlich erkennen - fasziniert starrte ich stundenlang nach unten, bis
mein Hals ganz steif war.
Auch bei der Ankunft hatte ich Glück: In kürzester Zeit war ich durch
die Immigration hindurch, beim Flughafen-Checkin des erstmalig von mir
gebuchten Flamingo mußte ich praktisch überhaupt nicht warten, und so
kam es, daß ich zu völlig ungewohnter Zeit, nämlich bereits kurz nach
13 Uhr local time, blinzelnd in der Sonne von Las Vegas stand.
Das seltsam verfremdende Gefühl -eine Mischung aus totaler Übermüdung
und Aufgedrehtheit-, das ich bei den bisherigen Flügen mit zweimal
Umsteigen und entsprechend längeren Flugzeiten immer gehabt hatte, fehlte
mir fast ein wenig, genauso wie die Ankunft im sehr viel schöneren
Terminal für die nationalen Flüge, der einem auf das bevorstehende
Erlebnis in dieser verrückten Stadt einstimmt...
Mein Hotel erwies sich als gute Wahl: ideale Lage und ein sehr schönes,
großes Zimmer mit Blick zum Caesar's Palace genau gegenüber, den ich
denn auch gleich ansteuerte, um mir fürs Frühstück am nächsten Morgen
in der Cheesecake Factory ein Stück des göttlichen Käsekuchens zu
kaufen. Auf dem Rückweg irrte ich eine Ewigkeit im Caesar's herum, bis
ich endlich einen Ausgang zum Strip gefunden hatte, womit dieser aber noch
längst nicht wirklich erreicht war, jeder Las Vegas-Tourist kennt das ja,
man wird höchst komplizierte, verschlungene Wege geführt, und einfach überqueren
kann man den Strip auch nicht, hier jedenfalls geht das nur mit Hilfe von
Treppen und einer Überführung. So dauerte es denn nochmals gute 5
Minuten oder auch mehr, bis ich mich zu meinem Hotel zurückgekämpft
hatte, dessen anderer Vorzug, zumindest für Menschen wie mich, bei deren
Ausstattung der Ortssinn vergessen worden ist, mir auf diesem kurzen
Ausflug überdeutlich geworden war: wenn man durch die Hoteltüren tritt,
steht man direkt auf dem Strip!
Dienstag, 5.6.2007
Um 5.30 wachte ich auf und ging mit meinem cheesecake sowie einem Becher
Kaffee in den Garten des Flamingo. Der Garten ist wirklich schön:
tropisches Ambiente, viele Palmen, allerlei Vögel und anderes Getier,
darunter natürlich auch die namengebenden Flamingos, und, was fast das
Schönste war: außer mir kaum Menschen zu dieser frühen Stunde. Es war
schon sehr warm und noch ein wenig dämmrig - ich kam mir fast wie in
Afrika vor.


Da ich zum ersten Mal allein und ohne Auto in Las Vegas war, beschloß
ich, den öffentlichen Nahverkehr auszuprobieren. Für nur 2,50 $
(spottbillig im Vergleich zu den Preisen in Düsseldorf) erhielt ich ein
24-Stundenticket, mit dem ich überall fahren durfte, nur nicht auf dem
Strip (das hätte eine Zusatzkarte für 50 ct. erfordert), aber auf dem
bewegt man sich ja eh nur zu Fuß voran. So fuhr ich nach Henderson zu
REI, einem ausgezeichneten Outdoorladen, wo ich einiges für die
bevorstehende Reise abholte, was ich in Deutschland vorbestellt hatte.
In den nächsten Tagen streifte ich in der Stadt umher, akklimatisierte
mich, was mir durch einen mehrtägigen "Kälteeinbruch"
leichtgemacht wurde, bedeutete es doch, daß die Temperaturen statt um die
40° nur etwas über 30° betrugen, und versuchte, meinen Jetlag in den
Griff zu bekommen.
Am Donnerstag abend traf mein Freund Pete aus München ein. Wir feierten
seine Ankunft im Bahamas Breeze, unserem Lieblingsrestaurant in Las Vegas.
Freitag, 8.6.2007
Nun geht die Reise also richtig los! Wir haben zum ersten Mal einen RV von
Road Bear gemietet (nach Moturis und El Monte). Große Überraschung: Es
gibt richtiges Bettzeug, also eine (dünne) Steppdecke, die man in einen
Bezug stecken kann, und nicht nur, wie bisher, die üblichen Decken und
Leinenbezüge, die man ja auch von den Hotels kennt und die sich bei mir
nach kürzester Zeit in fürchterlich unbequeme Knäuel zu verwandeln
pflegen, bis ich mir die Mühe mache, sie wieder zu entwirren. Außerdem
habe ich hinten im Wagen ein riesengroßes Bett, an dem KEINE Ecke
abgeschnitten ist (so wie letztes Jahr bei El Monte), so daß ich mich im
Bett räkeln kann wie ich will und meine Füße doch nicht über den Rand
hängen - das ist echter Luxus! Auch die übrige Ausstattung ist
erstklassig, wie ich mit Befriedigung vermerke, wenn auch andererseits der
RV für mich nur ein Mittel zum Zweck ist, dem Zweck nämlich, so naturnah
wie nur möglich wohnen und schlafen zu können.
Blitzschnell räumen wir unsere Sachen ein, geben die leeren Koffer ab,
und schon geht es los, auf nach Utah! Mein Herz klopft vor Freude, weil
ich weiß, daß jetzt viele herrliche Tage vor mir liegen, mit einem
Programm, das ich in Monaten intensiver Beschäftigung am PC liebevoll
ausgearbeitet habe...
Diesmal ließen wir das Valley of Fire links liegen (eigentlich ja rechts)
und fuhren auf direktem Wege nach St. George, wo wir schon traditionsgemäß
im riesigen Smiths Supermarket einkauften. So ein echter amerikanischer
Supermarkt ist doch immer wieder beeindruckend, immerhin schafften wir es
diesmal dank Erfahrung und ausgefeilter Technik mit Einkaufszettel, den
Laden nicht mit hundert Rollen Toilettpapier und tausend
Streichholzschachteln zu verlassen (ich übertreibe natürlich etwas, aber
in den ersten Jahren kauften wir tatsächlich viel zu viel von diesen und
ähnlichen Artikeln, weil es sie entweder nur in gigantischen Packungen
gab bzw. wir nicht imstande waren, kleinere zu finden).
Unser erstes Ziel war der Snow Canyon State Park, den wir schon vom
vergangenen Jahr kannten, als wir eine solch glutheiße erste Nacht in ihm
verbrachten, daß wir schließlich schweren Herzens unseren idyllischen, völlig
abgeschiedenen, wunderschönen Stellplatz ohne Strom für einen viel
weniger schönen mit electricity-hookup eingetauscht hatten, um die
Klimaanlage in Gang setzen zu können. Eigentlich eine Todsünde in meinen
Augen, und ich hatte mir geschworen, in diesem Jahr nur im alleräußersten
Notfall (etwa bei akuter Lebensgefahr) einen campground (bzw., wie hier,
einen Stellplatz) mit hookup zu nehmen. Auf die zaghafte Frage meines
Freundes, wir würden aber doch sicher mindestens alle 3 bis 4 Tage einmal
einen campground mit Duschen ansteuern (für alle Nicht-RV-Fahrer sei erklärt,
daß die mit Abstand schönsten campgrounds fast immer ohne hookup, also
ohne Strom, und natürlich auch ohne Duschen oder Toiletten mit Wasserspülung
sind), antwortete ich mit einem derart entschiedenen "Nein", daß
der Ärmste keine Widerrede wagte, obwohl er eigentlich zu den Menschen zählt,
die gerne einmal am Tag duschen, vor allem bei großer Hitze. Wie der
Leser merkt, gehöre ich in diesem Punkt (aber auch nur in diesem) zu
einer ganz radikalen Fraktion... 
Der Snow Canyon liegt etwas abseits von den Hauptwegen und ist -vielleicht
deshalb- ziemlich menschenleer. Die Fahrt zu ihm ist schön, sie führt
durch eine malerische Landschaft, wenn man in den Park kommt, wird sie
geradezu spektakulär. Überall ist roter Fels. Im Abendlicht, in dem die
roten Steine richtiggehend aufglühten, fuhren wir in den Park ein. Unser
Stellplatz war riesig und ganz zugewachsen, so daß man von den ohnehin
weit entfernten Nachbarn nichts sah oder hörte und glauben konnte, hier
ganz allein zu sein. Wir schauten auf Gebüsch, Bäume und rote Felsen -
die ideale Einstimmung in unsere Reise durch Utah.

(Ein Wort zu den Fotos: Wir hatten eine neue Kamera dabei, und aus Gründen,
die zu erklären hier zu weit führen würde, mißlangen fast alle Fotos,
d.h., sie waren entweder fürchterlich überbelichtet oder aber viel zu
dunkel; es kam auch vor, daß wir aus Versehen kleine Filmchen drehten,
statt zu fotographieren.
Die Farben stimmen ebenfalls nie, sie sind viel zu blaß, die
Sonnenuntergangsfotos sind natürlich alle nichts geworden, denn bei ihnen
kommt es ja in ganz besonderem Maße auf Nuancen an - kurz, ein trauriges
Kapitel. Es möge sich daher auch niemand wundern, wenn ich z.B. vom
Cathedral Valley nur relativ wenige Bilder zeigen kann - da haben wir nämlich
die Filme gedreht, oder wenn ich bei anderen Kapiteln meines Berichts überhaupt
keine Bilder zur Verfügung habe.
Ich habe die besten Fotos zwar bearbeitet, was sehr mühsam und
zeitaufwendig war, aber dadurch wurden sie nur etwas besser, nicht
wirklich gut... Die einzigen Fotos, die wirklich gelungen sind, sind die
von der Wave.)
Die Steine strahlten die aufgespeicherte Hitze des Tages ab, so daß es
noch eine lange Zeit wundervoll warm war. Ein Häschen hoppelte direkt vor
meinen Füßen über den Sand. Mit einem Glas Wein in der Hand saß ich in
der einfallenden Dämmerung und genoß die Stille und die Schönheit der
mich umgebenden Natur. So hatte ich es mir zu Hause vorgestellt, genau so
sollte es sein, und mit einem Gefühl tiefster Befriedigung ging ich
schließlich schlafen.
Samstag, 9.6.2007
Diesmal hatten wir mit den Temperaturen in der Nacht keine Probleme: der Kälteeinbruch
war noch nicht vorbei, und es kühlte gegen Morgen auf unglaubliche 16°
ab! Ich wurde darum früh wach, gegen 7 Uhr, und konnte nicht mehr
einschlafen, weil mir kalt war. Das sollte sich aber rasch geben, schon
beim Frühstück konnte ich mich in der Sonne aufwärmen, und bei unserer
ersten kleinen Wanderung auf dieser Reise floß schon wieder der Schweiß.
Der Park ist wirklich farbenprächtig, zum Rot des Sandsteins gesellt sich
schwarze Lava, und dazwischen gibt es zahllose Schattierungen von Orange
über Rost zu Gelb, die wir in den versteinerten Sanddünen bewundern
konnten, wo Wind und Wasser sie zu herrlichen Mustern geformt haben. Wir
wanderten ein wenig auf dem Petrified Dunes Trail, bis es mir an einem
Steilhang des eigentlich als 'moderate' klassifizierten trails zu ungemütlich
wurde und wir umkehrten. Wir hatten ohnehin viel zu wenig Zeit für diesen
Park eingeplant, aber was wir diesmal verpaßt haben, z.B. die 4 lava
caves, die ich sehr gern gesehen hätte, ist schon fest als Programmpunkt
für die nächste Reise vorgemerkt. Beim Rausfahren am nördlichen Ende
bekamen wir als Vorgeschmack fürs nächste Mal wirklich großartige
Landschaften zu sehen.
Weiter ging es nach St. George, wo wir einen Stop beim Büro des BLM
machten, weil ich mich nach dem Zustand des Creek in der Red Cliffs
Recreation Area erkundigen wollte. No water, so erfuhr ich, der creek sei
völlig ausgetrocknet, es herrsche zur Zeit allgemein extreme Trockenheit
in Utah. Ich trug es mit Fassung, weil mich eine mitleidige Seele im Forum
bereits vorgewarnt hatte. Dann fragte der BLMler, der uns Auskunft gegeben
hatte, warum wir denn nicht stattdessen zum Sand Hollow State Park fahren
würden, dort sei es wunderschön und man könne sehr gut baden, außerdem
gäbe es einen Campground zum Übernachten. Etwas verwundert darüber, daß
mir ein solches Juwel bei meinen doch wirklich ausgedehnten Recherchen
hatte entgehen können, machten wir uns auf den Weg.
Der See, der in der Tat herrlich gelegen ist, leuchtete in tiefem Blau.
Aber ach, es war ja Wochenende und außerdem mittlerweile richtig heiß,
was zur Folge hatte, daß wir nicht die einzigen waren, die den Sand
Hollow ansteuerten. Der Verkehr auf der Fifth Avenue ist nichts gegen die
vielen RVs, ATVs, SUVs und wie die Gefährte alle heißen, die an den
Ufern entlangfuhren, und auf dem See tummelte sich eine Flotte von
Motorbooten, Kajaks und Kanus. Nun verstand ich auch, warum dieser See
keine Erwähnung in den einschlägigen Foren fand, obwohl es ja wochentags
an seinen Ufern vielleicht ganz idyllisch zugeht. Auf meinen Karten war er
übrigens auch nicht zu finden, da es sich bei ihm um ein erst vor kurzem
vollgelaufenes Reservoir handelt, das den Status eines State Parks noch
nicht lange hat.
Als wir uns endlich zum Campground, der ganz am Ende des weitläufigen
Areals lag, durchgekämpft hatten, stand unser Entschluß fest: Hier
wollten wir nicht bleiben. Der Campground lag zwar direkt am See, war aber
völlig kahl, so daß es keinerlei Privatsphäre gab und auch keinen
Schatten. Aber nachdem wir uns schon einmal über eine dirtroad bis
hierher gequält hatten, wollten wir wenigstens etwas verweilen,
picknicken und baden. Nun kam unsere tolle Marquise zu ihrem ersten
Einsatz - allerdings auch zu ihrem einzigen, denn später brauchten wir
sie nicht mehr, da wir immer Schatten fanden. Wir aßen also unsere
Kirschen, mit Blick auf den blauen See und die überaus malerische
Bergkulisse hinter ihm, und das Baden war natürlich ein großes Vergnügen,
aber danach machten wir uns auf den Weg zur Red Cliffs Recreation Area,
die zwar wasserlos, aber, so hofften wir, auch weitgehend frei von
Menschen sein würde.
Sie war nicht ganz einfach zu finden, auch war das Unternehmen als solches
durchaus gewagt, denn wir hatten ja, wie bereits erwähnt, Wochenende, außerdem
war es mittlerweile bereits später Nachmittag, so daß wir damit rechnen
mußten, daß die wenigen Plätze des BLM Campgrounds bei unserer Ankunft
belegt sein würden. Außerdem war es fraglich, ob wir durch die Unterführung
passen würden, deren Höhe mit 11 ft. 6 inch angegeben war, während
unser RV genau 12 ft. in der Höhe maß, so jedenfalls stand es am
Armaturenbrett zu lesen. Wir näherten uns auf überaus schmalen Sträßchen
besagter Unterführung, als wir von einem Polizisten zur Seite gewunken
wurden. Er teilte uns mit, daß wir uns auf Verzögerungen einstellen müssten,
weil mehrere Rettungswagen im Großeinsatz seien, um Wanderer, die in der
Hitze mit zu wenig Wasser unterwegs waren, zu bergen. Im Schrittempo
fuhren wir an den Krankenwagen mit ihren rotierenden Lichtern vorbei, und
dann kam der spannende Moment: Hinten auf der Leiter unseres RV stehend,
konnte ich Entwarnung geben, es war noch mindestens eine Handbreit Luft
zwischen Wagendach und Unterführung.
Und um die Freude voll zu machen, belegten wir den letzten freien Platz,
der übrigens ganz nach meinem Geschmack war, unter Bäumen, schön
zugewachsen, mit viel privacy, wie die Amerikaner sagen.

Nun aber nichts wie los in den canyon, denn anschauen wollten wir uns ihn
schon, auch wenn kein Wasser darin war. Ich war begeistert: Vor unseren
Augen breitete sich eine wunderschöne Landschaft aus, wenn der Creek
Wasser führen würde, wäre es geradezu traumhaft hier - andererseits wäre
es dann mit Sicherheit voller. In der Tat hatte ich im Internet Berichte
von Horden kreischender Jugendlicher gelesen, die sich an den pools vergnügten;
davon konnte diesmal keine Rede sein.
Dem, der Interesse an diesem herrlichen Fleckchen hat, kann ich eine außergewöhnlich
gut gemachte Webseite mit sehr schönen Fotos empfehlen:
http://www.isaczermak.com/utah-red-cliff...ation-site.html

Wir wanderten ein Stückchen im Flußbett hoch, wobei wir die eine oder
andere vom Wasser spiegelglatt gewaschene Slickrockstufe überwinden mußten,
bis wir eine Stelle erreichten, an der sich ein paar Amerikaner von einer
hoch über uns gelegenen Felskante abseilen wollten. Unten stand die
Ehefrau des Führers, mit der ich mich eine Weile unterhielt. Sie erzählte
mir, daß sie vor einem Monat schon einmal da waren und nun mit Freunden
wiedergekommen seien, denen sie von der ganz besonderen Schönheit dieses
Ortes vorgeschwärmt hatten. Natürlich war die Enttäuschung groß, als
sie feststellen mußten, daß der Creek ausgetrocknet war, nur ein paar trübe
Tümpel befanden sich noch an der Stelle, an der wir standen.
Um weiterzugehen, hätten wir mit Hilfe von ein paar Moquisteps sowie
eines Seils ein Stück an einem Fels hochklettern müssen, aber das traute
ich mir nicht zu (wäre es am letzten Ferientag gewesen, hätte ich es
riskiert, aber gleich zu Anfang wollte ich mir nicht den Fuß verstauchen
oder Schlimmeres), außerdem wurde es allmählich dunkel, also kehrten wir
um und genossen an unserem Platz ein schlichtes aber gemütliches
Abendessen. Ich blieb noch lange, von einem warmen Wind umweht, im Dunkeln
sitzen. Grillengezirp, Sterne, Stille.
Sonntag, 10.6.2007
Vormittags fuhren wir zur Kolob Section des Zion, bewunderten die
imposanten 'fingers' vom hochgelegenen Kolob Canyons Viewpoint

und machten anschließend die sehr schöne Middle Fork Taylor Creek
Wanderung (5,6 miles roundtrip). Obwohl es Sonntag war, trafen wir nur
ganz wenige andere Wanderer, weil dieser Teil des Zion viel weniger
Besucher empfängt als der Hauptteil. Am trailhead hat man einen
Panoramablick auf malerische rote Felswände, dann geht es ein wenig hinab
in das schattige Flußtal, das mit oak, pinyon und juniper sowie mit
allerlei Gebüsch dicht bewachsen ist, manchmal kommt man auch an
duftenden Kiefern vorbei. Die zahlreichen Durchquerungen des schmalen
Taylor Creek machten Spaß und boten keinerlei Schwierigkeiten, zumal er
sehr wenig Wasser führte. Nach dem Zusammenfluß mit der North Fork
erreicht man bald die halb verfallene Blockhütte eines Pioniers, der zwar
einerseits in überaus primitiven Verhältnissen hauste, dafür aber von
seiner Hütte einen wundervollen Blick auf eine fast zweihundert Meter
hoch aufragende Felswand hatte.
Allmählich wurde der anfangs gut zu begehende trail schwieriger, und das
Tal verengte sich immer mehr, bis wir an seinem Ende angelangt waren,
einem imposanten Doppelbogen-Alkoven, der eine wunderbar kühle schattige
Oase bildete, nur daß der Fluß hier nahezu völlig ausgetrocknet war.
Ein alter Ranger, mit dem ich später sprach, sagte mir, so trocken habe
er die Middle Fork noch nie erlebt, es sei die größte Dürre seit
Menschengedenken.

(Dies ist das einzige einigermaßen vorzeigbare Foto, so daß ich leider
keinen visuellen Eindruck von dem tollen Alkoven vermitteln kann.)
Die meisten Wanderer drehen hier um, aber Abenteuerlustige können den Flußlauf
noch ein wenig weiter erforschen, und natürlich zählten wir zu dieser
Kategorie. Wir folgten dem Flußbett, das hier eine große Kurve
beschreibt und nur aus Geröll und ziemlich großen Steinen besteht, auf
denen zu laufen mühsam ist, bis wir nach ca. 10 Minuten einen Felsspalt
erreichten, aus dem sich normalerweise ein 10 m hoher Wasserfall ergießt,
der 'most pretty' sein soll.
Wenn man sich noch weiter vorarbeitet, erwartet einen eine herrliche
Wasserlandschaft mit diversen pools, weiteren Fällen und kleinen
Kaskaden. Da dies in Anbetracht der Wassersituation sinnlos wäre, drehten
wir um und machten uns auf den Rückweg. Obwohl wir eifrig nach
Klapperschlangen Ausschau hielten, von denen es hier wimmeln soll, taten
mir die Tierchen nicht den Gefallen, sich einmal zu zeigen.
Am Nachmittag fuhren wir weiter zum Zion. Wie ich diese grandiose
Landschaft liebe! Da bringe ich es sogar fertig, über die vielen Besucher
hinwegzusehen... Schon lange vor dem eigentlichen Park hat man einen
wundervollen Blick auf die majestätischen rosa-weißen Tafelberge, während
sich die Straße durch ein üppig begrüntes idyllisches Tal mit kleinen
Bilderbuchdörfchen schlängelt.
Nachdem wir angelangt waren, bezogen wir unseren Platz auf dem Watchman
Campground, der gleich hinter dem Parkeingang liegt. Der Watchman würde
zwar normalerweise nicht den strengen Kriterien genügen, die ich an die
Auswahl unserer Plätze lege, doch für ihn gelten mildernde Umstände:
einmal weil ich wunderschöne Erinnerungen von früheren Reisen mit ihm
verbinde, dann, weil ich den Zion nun einmal liebe, und schließlich, weil
er über einige Plätze verfügt, die direkt am Virgin River liegen, und
einen von diesen Plätzen hatte ich schon von zu Hause aus gebucht (eine
Ausnahme, sonst habe ich fast gar nichts vorreserviert), was ein großes
Glück war, denn am Campground hing das Schild "full". Ich war
entzückt: ich mußte nur drei Schritte machen, und schon war ich am
Wasser. Was gibt es Schöneres, als bei großer Hitze stundenlang im
Virgin River zu liegen, sich von seinen zahllosen Strudeln umspülen zu
lassen, über die flachen sandigen Abschnitte zu treiben, auf denen die
Sonne goldene Kringel malt, oder in den dunkelgrünen Stellen, wo er tief
ist, zu schwimmen. Überall rauscht und schäumt und sprudelt es, ein grünes
Blätterdach wölbt sich über dem Fluß und gibt angenehmen Schatten.
Manchmal treibt eine Gruppe auf großen schwarzen Autoreifen vorbei, an
einer tiefen Stelle ist ein Seil angebracht, an dem man wie Tarzan
schaukeln und dann mit einem wagemutigen Sprung im Wasser landen kann,
etwas weiter hat sich jemand einen Campingstuhl ins hier flache Flußbett
gestellt, liest ein Buch und und nimmt dabei ein entspannendes Fußbad.
Man merkt wohl an meiner Beschreibung, daß meine Liebe zum Virgin River
tief geht, ich bade tags und nachts in ihm (jawohl, ich habe mich auch
schon um Mitternacht in ihm abgekühlt!). Hier statt weiterer Worte ein
Bild:

Am Abend fuhren wir mit dem kostenlosen Shuttle nach Springfield, wo wir
im Switchback ein köstliches Dinner zu uns nahmen. Bei unserer Rückkehr
wölbte sich ein wundervoller Sternenhimmel über dem still daliegenden
Platz, auf dem es so dunkel war, daß wir eine ganze Weile herumirrten,
bis wir unseren RV gefunden hatten. Ich blieb noch eine Weile am Flüsschen
sitzen und schlief endlich bei seinem Rauschen, das für mich die schönste
Musik ist, ein.
|
|