Utah Sommer 2007

Montag, 4.6.2007

Die diesjährige Reise in meinen Lieblingsstaat Utah begann mit dem schönsten Flug in die USA, den ich jemals gemacht habe. Zum einen war die Reisezeit dank einer neuen nonstop-Verbindung von Düsseldorf nach Las Vegas (mit der LTU) auf nur 10 1/2 Stunden geschrumpft, zum anderen waren zu meiner großen Verblüffung viele Plätze nicht belegt, so daß man sich nach Herzenslust breit machen konnte (die zusätzlichen Groschen für einen XXL-Sitz am Notausgang wären somit gar nicht nötig gewesen, aber da der Sitz neben mir frei blieb, hatte ich es wahrhaft fürstlich bequem), und schließlich war die Sicht den ganzen Flug über einmalig klar. In selten geschauter Schönheit zogen die Schneelandschaften von Grönland und Labrador (?) unter mir vorbei, selbst die zerklüfteten Fjordlandschaften der Küsten, das Packeis und fantastisch geformte Eisberge konnte man deutlich erkennen - fasziniert starrte ich stundenlang nach unten, bis mein Hals ganz steif war.

Auch bei der Ankunft hatte ich Glück: In kürzester Zeit war ich durch die Immigration hindurch, beim Flughafen-Checkin des erstmalig von mir gebuchten Flamingo mußte ich praktisch überhaupt nicht warten, und so kam es, daß ich zu völlig ungewohnter Zeit, nämlich bereits kurz nach 13 Uhr local time, blinzelnd in der Sonne von Las Vegas stand.

Das seltsam verfremdende Gefühl -eine Mischung aus totaler Übermüdung und Aufgedrehtheit-, das ich bei den bisherigen Flügen mit zweimal Umsteigen und entsprechend längeren Flugzeiten immer gehabt hatte, fehlte mir fast ein wenig, genauso wie die Ankunft im sehr viel schöneren Terminal für die nationalen Flüge, der einem auf das bevorstehende Erlebnis in dieser verrückten Stadt einstimmt...

Mein Hotel erwies sich als gute Wahl: ideale Lage und ein sehr schönes, großes Zimmer mit Blick zum Caesar's Palace genau gegenüber, den ich denn auch gleich ansteuerte, um mir fürs Frühstück am nächsten Morgen in der Cheesecake Factory ein Stück des göttlichen Käsekuchens zu kaufen. Auf dem Rückweg irrte ich eine Ewigkeit im Caesar's herum, bis ich endlich einen Ausgang zum Strip gefunden hatte, womit dieser aber noch längst nicht wirklich erreicht war, jeder Las Vegas-Tourist kennt das ja, man wird höchst komplizierte, verschlungene Wege geführt, und einfach überqueren kann man den Strip auch nicht, hier jedenfalls geht das nur mit Hilfe von Treppen und einer Überführung. So dauerte es denn nochmals gute 5 Minuten oder auch mehr, bis ich mich zu meinem Hotel zurückgekämpft hatte, dessen anderer Vorzug, zumindest für Menschen wie mich, bei deren Ausstattung der Ortssinn vergessen worden ist, mir auf diesem kurzen Ausflug überdeutlich geworden war: wenn man durch die Hoteltüren tritt, steht man direkt auf dem Strip!


Dienstag, 5.6.2007

Um 5.30 wachte ich auf und ging mit meinem cheesecake sowie einem Becher Kaffee in den Garten des Flamingo. Der Garten ist wirklich schön: tropisches Ambiente, viele Palmen, allerlei Vögel und anderes Getier, darunter natürlich auch die namengebenden Flamingos, und, was fast das Schönste war: außer mir kaum Menschen zu dieser frühen Stunde. Es war schon sehr warm und noch ein wenig dämmrig - ich kam mir fast wie in Afrika vor.





Da ich zum ersten Mal allein und ohne Auto in Las Vegas war, beschloß ich, den öffentlichen Nahverkehr auszuprobieren. Für nur 2,50 $ (spottbillig im Vergleich zu den Preisen in Düsseldorf) erhielt ich ein 24-Stundenticket, mit dem ich überall fahren durfte, nur nicht auf dem Strip (das hätte eine Zusatzkarte für 50 ct. erfordert), aber auf dem bewegt man sich ja eh nur zu Fuß voran. So fuhr ich nach Henderson zu REI, einem ausgezeichneten Outdoorladen, wo ich einiges für die bevorstehende Reise abholte, was ich in Deutschland vorbestellt hatte.

In den nächsten Tagen streifte ich in der Stadt umher, akklimatisierte mich, was mir durch einen mehrtägigen "Kälteeinbruch" leichtgemacht wurde, bedeutete es doch, daß die Temperaturen statt um die 40° nur etwas über 30° betrugen, und versuchte, meinen Jetlag in den Griff zu bekommen.

Am Donnerstag abend traf mein Freund Pete aus München ein. Wir feierten seine Ankunft im Bahamas Breeze, unserem Lieblingsrestaurant in Las Vegas.


Freitag, 8.6.2007

Nun geht die Reise also richtig los! Wir haben zum ersten Mal einen RV von Road Bear gemietet (nach Moturis und El Monte). Große Überraschung: Es gibt richtiges Bettzeug, also eine (dünne) Steppdecke, die man in einen Bezug stecken kann, und nicht nur, wie bisher, die üblichen Decken und Leinenbezüge, die man ja auch von den Hotels kennt und die sich bei mir nach kürzester Zeit in fürchterlich unbequeme Knäuel zu verwandeln pflegen, bis ich mir die Mühe mache, sie wieder zu entwirren. Außerdem habe ich hinten im Wagen ein riesengroßes Bett, an dem KEINE Ecke abgeschnitten ist (so wie letztes Jahr bei El Monte), so daß ich mich im Bett räkeln kann wie ich will und meine Füße doch nicht über den Rand hängen - das ist echter Luxus! Auch die übrige Ausstattung ist erstklassig, wie ich mit Befriedigung vermerke, wenn auch andererseits der RV für mich nur ein Mittel zum Zweck ist, dem Zweck nämlich, so naturnah wie nur möglich wohnen und schlafen zu können.

Blitzschnell räumen wir unsere Sachen ein, geben die leeren Koffer ab, und schon geht es los, auf nach Utah! Mein Herz klopft vor Freude, weil ich weiß, daß jetzt viele herrliche Tage vor mir liegen, mit einem Programm, das ich in Monaten intensiver Beschäftigung am PC liebevoll ausgearbeitet habe...

Diesmal ließen wir das Valley of Fire links liegen (eigentlich ja rechts) und fuhren auf direktem Wege nach St. George, wo wir schon traditionsgemäß im riesigen Smiths Supermarket einkauften. So ein echter amerikanischer Supermarkt ist doch immer wieder beeindruckend, immerhin schafften wir es diesmal dank Erfahrung und ausgefeilter Technik mit Einkaufszettel, den Laden nicht mit hundert Rollen Toilettpapier und tausend Streichholzschachteln zu verlassen (ich übertreibe natürlich etwas, aber in den ersten Jahren kauften wir tatsächlich viel zu viel von diesen und ähnlichen Artikeln, weil es sie entweder nur in gigantischen Packungen gab bzw. wir nicht imstande waren, kleinere zu finden).

Unser erstes Ziel war der Snow Canyon State Park, den wir schon vom vergangenen Jahr kannten, als wir eine solch glutheiße erste Nacht in ihm verbrachten, daß wir schließlich schweren Herzens unseren idyllischen, völlig abgeschiedenen, wunderschönen Stellplatz ohne Strom für einen viel weniger schönen mit electricity-hookup eingetauscht hatten, um die Klimaanlage in Gang setzen zu können. Eigentlich eine Todsünde in meinen Augen, und ich hatte mir geschworen, in diesem Jahr nur im alleräußersten Notfall (etwa bei akuter Lebensgefahr) einen campground (bzw., wie hier, einen Stellplatz) mit hookup zu nehmen. Auf die zaghafte Frage meines Freundes, wir würden aber doch sicher mindestens alle 3 bis 4 Tage einmal einen campground mit Duschen ansteuern (für alle Nicht-RV-Fahrer sei erklärt, daß die mit Abstand schönsten campgrounds fast immer ohne hookup, also ohne Strom, und natürlich auch ohne Duschen oder Toiletten mit Wasserspülung sind), antwortete ich mit einem derart entschiedenen "Nein", daß der Ärmste keine Widerrede wagte, obwohl er eigentlich zu den Menschen zählt, die gerne einmal am Tag duschen, vor allem bei großer Hitze. Wie der Leser merkt, gehöre ich in diesem Punkt (aber auch nur in diesem) zu einer ganz radikalen Fraktion... smile

Der Snow Canyon liegt etwas abseits von den Hauptwegen und ist -vielleicht deshalb- ziemlich menschenleer. Die Fahrt zu ihm ist schön, sie führt durch eine malerische Landschaft, wenn man in den Park kommt, wird sie geradezu spektakulär. Überall ist roter Fels. Im Abendlicht, in dem die roten Steine richtiggehend aufglühten, fuhren wir in den Park ein. Unser Stellplatz war riesig und ganz zugewachsen, so daß man von den ohnehin weit entfernten Nachbarn nichts sah oder hörte und glauben konnte, hier ganz allein zu sein. Wir schauten auf Gebüsch, Bäume und rote Felsen - die ideale Einstimmung in unsere Reise durch Utah.



(Ein Wort zu den Fotos: Wir hatten eine neue Kamera dabei, und aus Gründen, die zu erklären hier zu weit führen würde, mißlangen fast alle Fotos, d.h., sie waren entweder fürchterlich überbelichtet oder aber viel zu dunkel; es kam auch vor, daß wir aus Versehen kleine Filmchen drehten, statt zu fotographieren.

Die Farben stimmen ebenfalls nie, sie sind viel zu blaß, die Sonnenuntergangsfotos sind natürlich alle nichts geworden, denn bei ihnen kommt es ja in ganz besonderem Maße auf Nuancen an - kurz, ein trauriges Kapitel. Es möge sich daher auch niemand wundern, wenn ich z.B. vom Cathedral Valley nur relativ wenige Bilder zeigen kann - da haben wir nämlich die Filme gedreht, oder wenn ich bei anderen Kapiteln meines Berichts überhaupt keine Bilder zur Verfügung habe.
Ich habe die besten Fotos zwar bearbeitet, was sehr mühsam und zeitaufwendig war, aber dadurch wurden sie nur etwas besser, nicht wirklich gut... Die einzigen Fotos, die wirklich gelungen sind, sind die von der Wave.)

Die Steine strahlten die aufgespeicherte Hitze des Tages ab, so daß es noch eine lange Zeit wundervoll warm war. Ein Häschen hoppelte direkt vor meinen Füßen über den Sand. Mit einem Glas Wein in der Hand saß ich in der einfallenden Dämmerung und genoß die Stille und die Schönheit der mich umgebenden Natur. So hatte ich es mir zu Hause vorgestellt, genau so sollte es sein, und mit einem Gefühl tiefster Befriedigung ging ich schließlich schlafen.


Samstag, 9.6.2007

Diesmal hatten wir mit den Temperaturen in der Nacht keine Probleme: der Kälteeinbruch war noch nicht vorbei, und es kühlte gegen Morgen auf unglaubliche 16° ab! Ich wurde darum früh wach, gegen 7 Uhr, und konnte nicht mehr einschlafen, weil mir kalt war. Das sollte sich aber rasch geben, schon beim Frühstück konnte ich mich in der Sonne aufwärmen, und bei unserer ersten kleinen Wanderung auf dieser Reise floß schon wieder der Schweiß.

Der Park ist wirklich farbenprächtig, zum Rot des Sandsteins gesellt sich schwarze Lava, und dazwischen gibt es zahllose Schattierungen von Orange über Rost zu Gelb, die wir in den versteinerten Sanddünen bewundern konnten, wo Wind und Wasser sie zu herrlichen Mustern geformt haben. Wir wanderten ein wenig auf dem Petrified Dunes Trail, bis es mir an einem Steilhang des eigentlich als 'moderate' klassifizierten trails zu ungemütlich wurde und wir umkehrten. Wir hatten ohnehin viel zu wenig Zeit für diesen Park eingeplant, aber was wir diesmal verpaßt haben, z.B. die 4 lava caves, die ich sehr gern gesehen hätte, ist schon fest als Programmpunkt für die nächste Reise vorgemerkt. Beim Rausfahren am nördlichen Ende bekamen wir als Vorgeschmack fürs nächste Mal wirklich großartige Landschaften zu sehen.

Weiter ging es nach St. George, wo wir einen Stop beim Büro des BLM machten, weil ich mich nach dem Zustand des Creek in der Red Cliffs Recreation Area erkundigen wollte. No water, so erfuhr ich, der creek sei völlig ausgetrocknet, es herrsche zur Zeit allgemein extreme Trockenheit in Utah. Ich trug es mit Fassung, weil mich eine mitleidige Seele im Forum bereits vorgewarnt hatte. Dann fragte der BLMler, der uns Auskunft gegeben hatte, warum wir denn nicht stattdessen zum Sand Hollow State Park fahren würden, dort sei es wunderschön und man könne sehr gut baden, außerdem gäbe es einen Campground zum Übernachten. Etwas verwundert darüber, daß mir ein solches Juwel bei meinen doch wirklich ausgedehnten Recherchen hatte entgehen können, machten wir uns auf den Weg.

Der See, der in der Tat herrlich gelegen ist, leuchtete in tiefem Blau. Aber ach, es war ja Wochenende und außerdem mittlerweile richtig heiß, was zur Folge hatte, daß wir nicht die einzigen waren, die den Sand Hollow ansteuerten. Der Verkehr auf der Fifth Avenue ist nichts gegen die vielen RVs, ATVs, SUVs und wie die Gefährte alle heißen, die an den Ufern entlangfuhren, und auf dem See tummelte sich eine Flotte von Motorbooten, Kajaks und Kanus. Nun verstand ich auch, warum dieser See keine Erwähnung in den einschlägigen Foren fand, obwohl es ja wochentags an seinen Ufern vielleicht ganz idyllisch zugeht. Auf meinen Karten war er übrigens auch nicht zu finden, da es sich bei ihm um ein erst vor kurzem vollgelaufenes Reservoir handelt, das den Status eines State Parks noch nicht lange hat.

Als wir uns endlich zum Campground, der ganz am Ende des weitläufigen Areals lag, durchgekämpft hatten, stand unser Entschluß fest: Hier wollten wir nicht bleiben. Der Campground lag zwar direkt am See, war aber völlig kahl, so daß es keinerlei Privatsphäre gab und auch keinen Schatten. Aber nachdem wir uns schon einmal über eine dirtroad bis hierher gequält hatten, wollten wir wenigstens etwas verweilen, picknicken und baden. Nun kam unsere tolle Marquise zu ihrem ersten Einsatz - allerdings auch zu ihrem einzigen, denn später brauchten wir sie nicht mehr, da wir immer Schatten fanden. Wir aßen also unsere Kirschen, mit Blick auf den blauen See und die überaus malerische Bergkulisse hinter ihm, und das Baden war natürlich ein großes Vergnügen, aber danach machten wir uns auf den Weg zur Red Cliffs Recreation Area, die zwar wasserlos, aber, so hofften wir, auch weitgehend frei von Menschen sein würde.

Sie war nicht ganz einfach zu finden, auch war das Unternehmen als solches durchaus gewagt, denn wir hatten ja, wie bereits erwähnt, Wochenende, außerdem war es mittlerweile bereits später Nachmittag, so daß wir damit rechnen mußten, daß die wenigen Plätze des BLM Campgrounds bei unserer Ankunft belegt sein würden. Außerdem war es fraglich, ob wir durch die Unterführung passen würden, deren Höhe mit 11 ft. 6 inch angegeben war, während unser RV genau 12 ft. in der Höhe maß, so jedenfalls stand es am Armaturenbrett zu lesen. Wir näherten uns auf überaus schmalen Sträßchen besagter Unterführung, als wir von einem Polizisten zur Seite gewunken wurden. Er teilte uns mit, daß wir uns auf Verzögerungen einstellen müssten, weil mehrere Rettungswagen im Großeinsatz seien, um Wanderer, die in der Hitze mit zu wenig Wasser unterwegs waren, zu bergen. Im Schrittempo fuhren wir an den Krankenwagen mit ihren rotierenden Lichtern vorbei, und dann kam der spannende Moment: Hinten auf der Leiter unseres RV stehend, konnte ich Entwarnung geben, es war noch mindestens eine Handbreit Luft zwischen Wagendach und Unterführung.



Und um die Freude voll zu machen, belegten wir den letzten freien Platz, der übrigens ganz nach meinem Geschmack war, unter Bäumen, schön zugewachsen, mit viel privacy, wie die Amerikaner sagen.



Nun aber nichts wie los in den canyon, denn anschauen wollten wir uns ihn schon, auch wenn kein Wasser darin war. Ich war begeistert: Vor unseren Augen breitete sich eine wunderschöne Landschaft aus, wenn der Creek Wasser führen würde, wäre es geradezu traumhaft hier - andererseits wäre es dann mit Sicherheit voller. In der Tat hatte ich im Internet Berichte von Horden kreischender Jugendlicher gelesen, die sich an den pools vergnügten; davon konnte diesmal keine Rede sein.
Dem, der Interesse an diesem herrlichen Fleckchen hat, kann ich eine außergewöhnlich gut gemachte Webseite mit sehr schönen Fotos empfehlen:
http://www.isaczermak.com/utah-red-cliff...ation-site.html



Wir wanderten ein Stückchen im Flußbett hoch, wobei wir die eine oder andere vom Wasser spiegelglatt gewaschene Slickrockstufe überwinden mußten, bis wir eine Stelle erreichten, an der sich ein paar Amerikaner von einer hoch über uns gelegenen Felskante abseilen wollten. Unten stand die Ehefrau des Führers, mit der ich mich eine Weile unterhielt. Sie erzählte mir, daß sie vor einem Monat schon einmal da waren und nun mit Freunden wiedergekommen seien, denen sie von der ganz besonderen Schönheit dieses Ortes vorgeschwärmt hatten. Natürlich war die Enttäuschung groß, als sie feststellen mußten, daß der Creek ausgetrocknet war, nur ein paar trübe Tümpel befanden sich noch an der Stelle, an der wir standen.

Um weiterzugehen, hätten wir mit Hilfe von ein paar Moquisteps sowie eines Seils ein Stück an einem Fels hochklettern müssen, aber das traute ich mir nicht zu (wäre es am letzten Ferientag gewesen, hätte ich es riskiert, aber gleich zu Anfang wollte ich mir nicht den Fuß verstauchen oder Schlimmeres), außerdem wurde es allmählich dunkel, also kehrten wir um und genossen an unserem Platz ein schlichtes aber gemütliches Abendessen. Ich blieb noch lange, von einem warmen Wind umweht, im Dunkeln sitzen. Grillengezirp, Sterne, Stille.


Sonntag, 10.6.2007

Vormittags fuhren wir zur Kolob Section des Zion, bewunderten die imposanten 'fingers' vom hochgelegenen Kolob Canyons Viewpoint



und machten anschließend die sehr schöne Middle Fork Taylor Creek Wanderung (5,6 miles roundtrip). Obwohl es Sonntag war, trafen wir nur ganz wenige andere Wanderer, weil dieser Teil des Zion viel weniger Besucher empfängt als der Hauptteil. Am trailhead hat man einen Panoramablick auf malerische rote Felswände, dann geht es ein wenig hinab in das schattige Flußtal, das mit oak, pinyon und juniper sowie mit allerlei Gebüsch dicht bewachsen ist, manchmal kommt man auch an duftenden Kiefern vorbei. Die zahlreichen Durchquerungen des schmalen Taylor Creek machten Spaß und boten keinerlei Schwierigkeiten, zumal er sehr wenig Wasser führte. Nach dem Zusammenfluß mit der North Fork erreicht man bald die halb verfallene Blockhütte eines Pioniers, der zwar einerseits in überaus primitiven Verhältnissen hauste, dafür aber von seiner Hütte einen wundervollen Blick auf eine fast zweihundert Meter hoch aufragende Felswand hatte.

Allmählich wurde der anfangs gut zu begehende trail schwieriger, und das Tal verengte sich immer mehr, bis wir an seinem Ende angelangt waren, einem imposanten Doppelbogen-Alkoven, der eine wunderbar kühle schattige Oase bildete, nur daß der Fluß hier nahezu völlig ausgetrocknet war. Ein alter Ranger, mit dem ich später sprach, sagte mir, so trocken habe er die Middle Fork noch nie erlebt, es sei die größte Dürre seit Menschengedenken.



(Dies ist das einzige einigermaßen vorzeigbare Foto, so daß ich leider keinen visuellen Eindruck von dem tollen Alkoven vermitteln kann.)

Die meisten Wanderer drehen hier um, aber Abenteuerlustige können den Flußlauf noch ein wenig weiter erforschen, und natürlich zählten wir zu dieser Kategorie. Wir folgten dem Flußbett, das hier eine große Kurve beschreibt und nur aus Geröll und ziemlich großen Steinen besteht, auf denen zu laufen mühsam ist, bis wir nach ca. 10 Minuten einen Felsspalt erreichten, aus dem sich normalerweise ein 10 m hoher Wasserfall ergießt, der 'most pretty' sein soll.

Wenn man sich noch weiter vorarbeitet, erwartet einen eine herrliche Wasserlandschaft mit diversen pools, weiteren Fällen und kleinen Kaskaden. Da dies in Anbetracht der Wassersituation sinnlos wäre, drehten wir um und machten uns auf den Rückweg. Obwohl wir eifrig nach Klapperschlangen Ausschau hielten, von denen es hier wimmeln soll, taten mir die Tierchen nicht den Gefallen, sich einmal zu zeigen.

Am Nachmittag fuhren wir weiter zum Zion. Wie ich diese grandiose Landschaft liebe! Da bringe ich es sogar fertig, über die vielen Besucher hinwegzusehen... Schon lange vor dem eigentlichen Park hat man einen wundervollen Blick auf die majestätischen rosa-weißen Tafelberge, während sich die Straße durch ein üppig begrüntes idyllisches Tal mit kleinen Bilderbuchdörfchen schlängelt.

Nachdem wir angelangt waren, bezogen wir unseren Platz auf dem Watchman Campground, der gleich hinter dem Parkeingang liegt. Der Watchman würde zwar normalerweise nicht den strengen Kriterien genügen, die ich an die Auswahl unserer Plätze lege, doch für ihn gelten mildernde Umstände: einmal weil ich wunderschöne Erinnerungen von früheren Reisen mit ihm verbinde, dann, weil ich den Zion nun einmal liebe, und schließlich, weil er über einige Plätze verfügt, die direkt am Virgin River liegen, und einen von diesen Plätzen hatte ich schon von zu Hause aus gebucht (eine Ausnahme, sonst habe ich fast gar nichts vorreserviert), was ein großes Glück war, denn am Campground hing das Schild "full". Ich war entzückt: ich mußte nur drei Schritte machen, und schon war ich am Wasser. Was gibt es Schöneres, als bei großer Hitze stundenlang im Virgin River zu liegen, sich von seinen zahllosen Strudeln umspülen zu lassen, über die flachen sandigen Abschnitte zu treiben, auf denen die Sonne goldene Kringel malt, oder in den dunkelgrünen Stellen, wo er tief ist, zu schwimmen. Überall rauscht und schäumt und sprudelt es, ein grünes Blätterdach wölbt sich über dem Fluß und gibt angenehmen Schatten.

Manchmal treibt eine Gruppe auf großen schwarzen Autoreifen vorbei, an einer tiefen Stelle ist ein Seil angebracht, an dem man wie Tarzan schaukeln und dann mit einem wagemutigen Sprung im Wasser landen kann, etwas weiter hat sich jemand einen Campingstuhl ins hier flache Flußbett gestellt, liest ein Buch und und nimmt dabei ein entspannendes Fußbad. Man merkt wohl an meiner Beschreibung, daß meine Liebe zum Virgin River tief geht, ich bade tags und nachts in ihm (jawohl, ich habe mich auch schon um Mitternacht in ihm abgekühlt!). Hier statt weiterer Worte ein Bild:



Am Abend fuhren wir mit dem kostenlosen Shuttle nach Springfield, wo wir im Switchback ein köstliches Dinner zu uns nahmen. Bei unserer Rückkehr wölbte sich ein wundervoller Sternenhimmel über dem still daliegenden Platz, auf dem es so dunkel war, daß wir eine ganze Weile herumirrten, bis wir unseren RV gefunden hatten. Ich blieb noch eine Weile am Flüsschen sitzen und schlief endlich bei seinem Rauschen, das für mich die schönste Musik ist, ein.