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Donnerstag, 10.5.2007
"First Steps"
Geschlafen haben wir in der vergangenen Nacht nicht wirklich viel. Immerzu
kreisten unsere Gedanken um unser komplett fehlendes Gepäck und wie wir
mit der geplanten Tour weiter machen sollten. Ich für meinen Teil
steigerte mich zusätzlich in einen regelrechten LHB-Wahn und die
Gedanken, die ich dabei hegte, werde ich besser nicht öffentlich bekannt
geben. Wir hatten momentan auf jeden Fall das Gegenteil von Urlaub und
Erholung, es war schlicht und ergreifend Stress. Dementsprechend früh
waren wir auf den Beinen und beschlossen, am Vormittag nochmals zum
Flughafen raus zu fahren. Zuvor ging es noch kurz zu Wal-Mart, gleich um
die Ecke unseres Best Westerns. Dort deckten wir uns mit dem Allernötigsten,
wie Zahnbürsten, Zahncreme, Deo, Duschgel usw. ein. Beim McD warfen wir
noch schnell ein Egg McMuffin-Meal ein und ich war positiv von dem
wirklich guten Kaffee überrascht. Wenn ich da so an 2004 zurückdenke.
Andererseits... damals hatten wir aber unser komplettes Gepäck. 
Anschließend fuhren wir zum Denver Airport und gingen erneut zu dem
United-Schalter, an dem wir bereits am Vorabend unser fehlendes Gepäck
reklamierten. Wie nicht anders zu erwarten, war unser Gepäck natürlich
noch nicht eingetroffen. Es wurde uns nun jedoch erklärt, dass United
erst dann etwas zu unserem Gepäck sagen kann, wenn dieses von Lufthansa
in die United-Systeme übergeben wird. Des weiteren wurde uns angeraten,
regelmäßig auf die Internet-Seite von United zu schauen, auf der wir
durch Eingabe unserer Ticket-Nummer jederzeit den aktuellen Status unseres
vermissten Gepäcks ersehen könnten. Nicht schlecht, aber was machen
Reisende, die ohne Laptop unterwegs sind? Ihren Urlaub damit verbringen
nach Internet-Cafes zu suchen? 
Anyway, wir hatten unseres ja dabei. Jedenfalls war uns klar, dass wir über
United nicht weiter kommen würden und begaben uns somit auf die Suche
nach einem Lufthansa-Schalter. Wir irrten eine Weile im Flughafengebäude
umher, ohne jedoch einen Lufthansa-Schalter, geschweige denn eine LHB oder
LHS zu entdecken. Schon wieder leicht genervt fanden wir die
Flughafen-Information und fragten dort nach. Danach wussten wir zwar wo
der Lufthansa-Schalter ist, aber auch, dass die LHB's (und deren übriger
Kollegenkreis) erst nachmittags um etwa 14 Uhr anfangen würden. Tolle
Arbeitszeiten! Und wann wollen die bitteschön unser Gepäck finden? 
Gepäcklos machten wir uns auf den Rückweg zum Best Western. Während der
Fahrt diskutierten wir, wie es weiter gehen sollte. Sollten wir in Denver
bleiben und auf das Gepäck warten? Ohne unser gesamtes Outdoor-Equipment
könnten wir eh nicht viel unternehmen. Oder sollten wir die wichtigsten
Utensilien wie Wanderschuhe, Trekking-Hosen usw. kaufen und die Tour wie
geplant beginnen? Zum ersten Mal kam von mir auch die Überlegung den
Urlaub komplett zu canceln und einen Rückflug zu suchen. Jaja, wenn ich
mal meinen Rappel habe... 
Zurück im Best Western habe ich unsere Buchung um zwei weitere Nächte
verlängert. Parallel dazu habe ich die Reservierung für die kommende
Nacht im Super 8 Motel in Parachute gecancelled. Um den Tag aber nicht
komplett ungenützt verstreichen zu lassen, überlegten wir, was wir
unternehmen könnten. In einem der zahlreichen Prospekte im Foyer des Best
Western entdeckte ich, dass nicht all zu weit entfernt der kleine Park
"Garden Of The Gods" liegt. Na also, nun hatten wir doch ein
Ziel für unsere ersten Schritte in diesen Urlaub. 
Bevor wir losfuhren inspizierte ich OKY, unseren Trailblazer noch etwas
genauer. OKY war tatsächlich so gut wie neu. Diverses Zubehör war noch
original verpackt und ungeöffnet. Sicherheitshalber befasste ich mich
auch kurz mit dem Wagenheber und der Funktionsweise zum Herablassen des
Reserverads. Aber das würden wir eigentlich nicht benötigen.
Eigentlich...
Um 12 Uhr saßen wir dann wieder in OKY und fuhren auf der I-25 südlich
in Richtung Colorado Springs. Landschaftlich waren diese rund 100
Kilometer eine ideale Einstimmung auf vier Wochen USA. Zumindest bei mir
wollte sich nach wie vor keine Urlaubsstimmung einstellen. Viel zu sehr
haderte ich mit dem Schicksal. Nach gemütlichen 1,5 Stunden erreichten
wir die Parkeinfahrt des "Garden Of The Gods", einem öffentlichen
Park am Stadtrand von Colorado Springs. Etwas ziel- und planlos fuhren wir
durch den Park und erblickten die ersten roten Steine unserer diesjährigen
Tour.

Da gab es dann für uns kein Halten mehr. Wir parkten OKY bei der nächsten
Gelegenheit und gingen unsere ersten Schritte im Gelände. Aber bereits
nach 15 Minuten stellten wir fest, dass wir zum Wandern in diesem Klima völlig
falsch angezogen waren. Schließlich steckten wir notgedrungen wieder in
den gleichen Klamotten, welche wir am Vortag beim Flug anhatten. Und eine
Jeans kann nun nicht gerade als atmungsaktiv bezeichnen. Wir schossen noch
das eine oder andere Foto und gingen zurück zu OKY. Der zwangsläufige
Abbruch dieses Spaziergangs verstärkte meine miese Laune noch. 
So fuhren wir weiter durch diesen kleinen und wirklich sehenswerten Park
bis zum Visitor Center. Auch hier ein paar Fotos geschossen, aber
zumindest bei mir ohne wirkliche Begeisterung.

Anschließend machten wir uns bereits auf den Rückweg zum Ausgang des
Parks. Einmal hielten wir noch und gingen ein paar Schritte, aber auch
dies trug nicht zur Besserung meiner Stimmungslage bei.

Nachdem wir den Garden Of The Gods verlassen hatten und bereits auf dem Rückweg
in Richtung Denver waren, entdeckte ich ein Schild zum Pikes Peak. Darüber
hatte ich schon gelesen und wusste, dass es sich um einen rund 4.500 Meter
hohen Berg handelt, von welchem man einen grandiosen Blick haben muss.
Warum nicht, dachte ich und bog ab. Aber bereits nach wenigen Kilometern
standen wir vor einem Mauthäuschen und der Entscheidung die Gebühr zu
entrichten oder nicht. Mit Blick auf die Uhr und vor allem auf unsere
(oder war es nur meine?) Stimmungslage kamen wir zu dem Entschluss, dass
es das wohl nicht wert wäre. Somit drehten wir um und fuhren auf direktem
Weg zurück nach Denver in unser Best Western in Aurora. Während der Rückfahrt
ging mir durch den Kopf, dass für den heutigen Tag eigentlich die
Wanderung zum Hanging Lake vorgesehen war, welche wohl nun gestrichen
werden musste. Dies hatte zur Folge, dass meine Stimmung endgültig im
Keller war. 
Als wir um 17 Uhr zurück im Motelzimmer waren, schaltete ich umgehend das
Laptop ein, ging auf die United-Gepäckinformationsseite und sah den
aktuellen Status: "no information". Hatte ich tatsächlich etwas
anderes erwartet? 
Was tun? Auf der Durchschrift unserer Verlustanzeige von United war auch
eine Telefonnummer angegeben. Diese rief ich an und es begann ein munteres
Frage- und Antwortspiel. "Welche Farbe hat Ihr Koffer?"
"Der ist türkis." "Ich überprüfe Ihre Information."
Dann war für rund 1 Minute Schweigen angesagt. Dann die nächste Frage:
"Was war in dem Koffer alles enthalten?" Puuuuh. "Mehrere
Hemden und T-Shirts.". Neue Frage: "Wie viele Hemden und wie
viele T-Shirts?" Wieder habe ich pflichtbewusst geantwortet. Kaum
fertig kam die nächste Frage: "Welche Farben haben die Hemden und
die T-Shirts?" Und wieder habe ich nach bestem Wissen und Gewissen
geantwortet, um sofort die nächste Frage zu erhalten: "Welche Größe
haben die Hemden und T-Shirts?" So langsam wurde mir das ganze zu blöd
und ich antwortete mit "unterschiedlich". Reaktion im O-Ton:
"Checking your informations.". Erneut verstrich einiges an Zeit
während auf der anderen Seite "gecheckt" wurde. Währenddessen
beschloss ich, all die Socken, Unterhosen und was sonst noch so im Koffer
ist zu verschweigen. Als mir klar wurde, dass ja noch weitere drei Gepäckstücke
im Detail zu "checking your information" wären, brach ich das
Telefonat bei der nächsten Gelegenheit freundlich, aber unmissverständlich
ab. 
Anschließend hatte ich noch über den Messenger Kontakt mit unserem
Nachbarn, den wir am Morgen auf die Lufthansa angesetzt hatten. Er hatte
sowohl die Namen der beiden Stuttgarter LHB's als auch unsere sonstigen
kompletten (Gepäck-)Daten. Er teilte mir mit, dass man ihn bei Lufthansa
komplett abgeblockt hatte und lediglich zur Auskunft bekam, dass in diesem
Fall der Flughafen in Denver zuständig sei. Nachdem er sich nach
wiederholtem Anruf nicht abwimmeln ließ, wurde er an die
LH-Eskalationsnummer verbunden. Hier wurde ihm von einem vermutlich
psychologisch geschulten Hotliner versichert, dass in 98% der Fälle, das
Gepäck wieder auftauchen wird. 
Mittlerweile war es 20 Uhr und wir hatten nun die Gewissheit, dass wir außer
Warten keine weiteren Möglichkeiten mehr haben würden. United konnte und
Lufthansa wollte keine Informationen zum Verbleib unseres Gepäcks geben.
Nach einem sicherlich herzschädigendem Wutanfall meinerseits und dem
festen Willen, am nächsten Tag einen Rückflug zu suchen, versuchten wir
zu schlafen. Dies war erneut einfacher gesagt als getan... |
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